, A. Tschopp

Luana Bühler - «Ich kann vom Fussball leben»

Die Altishoferin Luana Bühler (25) spielt aktuell als Verteidigerin beim Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim und in der Schweizer Nationalmannschaft. Das junge Talent begann ihre Fussballkarriere bei den Jungs vom FC Schötz. Nach mehreren Stationen in der Nationalliga A beim SC Kriens, FC Luzern und dem FC Zürich wechselte sie im Jahr 2018 in die Bundesliga und ist seitdem eine wichtige Spielerin mit insgesamt 56 Spielen und vier Toren (Stand Saison 2020/2021). Mit uns hat Luana über ihre Karriere, über das Leben als Profi in der Frauen-Bundesliga und über ihre Ziele für die EM 2022 in England gesprochen.

Luana, du hast die Saison mit TSG Hoffenheim auf dem 3. Tabellenrang abgeschlossen. Wie zufrieden bist du mit deiner letzten Saison?

Über das komplette Jahr gesehen war es eine sehr positive und erfolgreiche Saison, die so nach meiner Patellasehnen-Verletzung (6 Monate) und dem verspäteten Start ins Training nicht abzusehen war. Nach dem etwas schwierigen Start nahm die Saison aber Fahrt auf und es waren viele tolle Spiele mit dabei. Aus Mannschaftssicht sind wir extrem gewachsen, haben verschiedene Rückschläge (Verletzungen, schlechter Saisonstart) weggesteckt und sind stärker daraus zurückgekommen. Unser Saisonziel mit dem 3. Platz und der damit erreichten QL-Quali war sehr hoch gesteckt, aber wir wussten um unsere Stärken und Potenziale in der Mannschaft.

War für dich schon von Beginn deiner Karriere an beim FC Schötz klar, dass du mal Fussballprofi werden möchtest?

Ehrlich gesagt, nein. Natürlich schaut man als kleines Mädchen zu den grossen Fussballern und Fussballerinnen der Weltbühne auf, feiert und bewundert ihr Leben als Spitzensportler. Aber tatsächlich hatte ich einfach immer Freude am Fussballspielen. Ich habe mir nie weiter Gedanken dazu gemacht, sondern wollte einfach Spass haben und kicken. Schritt für Schritt konnte ich mich so als Spielerin weiterentwickeln, ohne jemals die Freude oder Leichtigkeit am Sport zu verlieren. Erst als ich dann bei den Frauen war und immer öfter durch Mitspielerinnen mitgekriegt habe, dass dieser Schritt zum Profifussball nicht mehr so weit weg ist, wurde mir bewusst, dass dies für mich auch eine spannende Reise werden könnte.

Als Fussballprofi in der Frauen Bundesliga kannst du vom Fussball leben. Stimmt das? Und spielen in der Frauen Bundesliga nur Profis?

Das ist so, ja. In Deutschland ist es vielen Spielerinnen erlaubt sich primär auf den Fussball zu konzentrieren und das als ihre Haupttätigkeit zu verfolgen. Aber auch hier gelingt dies leider noch nicht vollumfänglich Vereinen der deutschen Frauen Bundesliga. Es gibt immernoch Spielerinnen die neben dem Fussballspielen auf höchstem Niveau tagsüber einer anderen Arbeit/Haupttätigkeit nachgehen müssen. Die Entwicklungsschritte sind in den letzten Jahren durchaus positiv, aber noch längst nicht da wo sie sein sollten, um wirklich allen Teams/Spielerinnen die bestmöglichsten Bedingungen für ihre Entwicklung als Fussballerin bereitzustellen.

Wie sieht dein Alltag als Profi aus? Wie können wir uns eine «Arbeits-» Woche während der Saison vorstellen?

Eine normale Woche während der Saison schaut so aus, dass wir sechs Mannschaftstrainings, zwei bis drei Individualeinheiten und ein Spiel haben. Dabei kann es sich bei Individualeinheiten um technische Formen auf dem Platz/im Footbonaut handeln, sowie individuelle Kraft/Defiziteinheiten und Videoanalysen. Falls von Interesse ein typischer Tag: Dabei steh ich normal zwischen 7 und 8 Uhr auf, frühstücke und setze mich dann an meine Unisachen (ich studiere im Master BWL). Falls es ein Tag mit zwei Einheiten ist, findet die 1. (Individuelle) Einheit oft kurz vor dem Mittag statt. Danach wieder nach Hause, ich koche und ruh mich kurz aus (z.B. setze ich mich in den Lymphomat). Falls Zeit bleibt, lerne ich nochmal etwas und begebe mich am späteren Nachmittag wieder aufs Trainingsgelände wo die 2. Einheit stattfindet. Davor wärmt man sich individuell auf und geht nach der Besprechung gemeinsam auf den Platz. Abends bin ich dann meist zwischen 20 und 21 Uhr Zuhause, bereite nochmal Essen zu und gehe schlafen. Passive Erholungsmassnahmen (Physio) finden dann immer in den Zwischenräumen meist nachmittags statt.

Als Frau ist es sehr schwierig vom Fussball leben zu können. Was braucht es deiner Meinung nach, um sich diesen Traum zu erfüllen? Hast du Tipps für junge Spielerinnen?

In jungen Jahren ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass man den Spass und die Freude am Fussballspielen immer beibehält. Wenn man mit Spass bei der Sache ist, wissbegierig an Trainings teilnimmt, erzielt man automatisch die bestmögliche Entwicklung. Zudem gebe ich jungen Mädchen gerne mit auf den Weg, dass es nicht schlimm ist mal zu scheitern oder mit Rückschlägen zu kämpfen. Wer die Positivität/ Freude nie verliert und versucht sich persönlich immer weiterzuentwickeln, ist auf dem richtigen Weg.

Was waren deine persönlichen Highlights in deiner bisherigen jungen Karriere?

Natürlich gehört der Gewinn des Doubles (Cup/ Meisterschaft) mit den FC Zürich Frauen zu meinen Top-Highlights, das war schon einmalig. In jüngster Vergangenheit ist da natürlich auch die Qualifikation mit der Schweiz für die EM 2022 in England dazuzurechnen. 

Nächsten Sommer dürfen wir bereits wieder mit der Schweiz mitfiebern. Dieses Mal jedoch mit den Frauen. Die EM in England wurde auf 2022 verschoben. Was ist dein persönliches Ziel für die EM 2022?

Konkret Ziele dafür sind noch nicht formuliert. Ich persönlich wünsche mir viele tolle Momente, eine super Atmosphäre und dass wir als Team auf dem Platz eine Einheit bilden und den Spass den wir am Fussballspielen haben, den Leuten weitergeben können.

Was sind deine Zukunftspläne für die nächsten Jahre?

Aktuell bin ich in Hoffenheim noch sehr glücklich und in guten Händen, um mich bestmöglich weiterentwickeln zu können. Erste Priorität ist immer die Gesundheit und dass ich verletzungsfrei bleibe, alles andere wird sich ergeben. Da blick ich meiner Zukunft sehr offen entgegen.

Uns würde noch interessieren wer Luana neben dem Fussballplatz ist. Kannst du dich in wenigen Worten beschreiben?

Familiär (für mich kommt die Familie immer an erster Stelle) Humorvoll (ich bin ein sehr positiver Mensch und teile meine Freude gerne) Aktiv/sportlich (nicht nur Fussballspielen, auch andere Sportarten z.B. Tennis, Skifahren, Wandern,… begeistern mich)

 

Wir wünschen, im Namen des SC Nebikon, Luana viel Erfolg für die Zukunft in der Bundesliga und auch in der Nationalmannschaft.